vollständiger Artikel TIP
Vor 45 Jahren wurde Chit Phumisak, Thailands Che Guevara, erschossen
Am 5. Mai 2011 fehlen noch 5 Jahre zum halben Jahrhundert, daß der thailändische Schriftsteller, Dichter, Sprachwissenschaftler und politische Aktivist in den Bergen von Sakhon Nakhon nach offizieller Lesart von "Dorfbewohnern" erschossen wurde.
.
.
.
.
Denn während sich damals die Journalisten im Westen in den Klatschblättern über das elegante und sympathisch auftretende Thai-Königspaar Sirikit und Phumiphon ("Bhumibol") die Finger wund schrieben, wären schon damals in Thailand — hätte man nur hingesehen —, jede Menge Blutlachen auf den Straßen in Bangkok oder im Dschungel und auf den Feldern abgelegener Provinzen zu beschreiben gewesen. Hunderte, wenn nicht tausende Intellektuelle in Thailand fielen damals der Verfolgung zum Opfer. Berichte darüber waren zur Zeit des kalten Krieges allerdings nirgends im Westen besonders erwünscht.
Einer der Menschen, die damals und noch bis in die 1970er Jahre zum Vorbild vieler thailändischer Studenten geworden waren, denen aber nur ein kurzes Leben beschieden war, hieß จิตร ภูมิศักดิ์ Chit Phumisak. Er wurde am 25 September 1930 in eine einfache Familie in der an Kambodscha grenzenden Provinz Prachinburi hineingeboren (sein Geburtsname war eigentlich Somchit). Er ging auf Tempelschulen, dann auf eine öffentliche Schule in Samutprakan, wo seine Sprachbegabung entdeckt wurde. Chit konnte Thai, Khmer, Französisch, Englisch und Pali.
.
.
.
.
1957 erhielt er eine Anstellung als Hochschuldozent in Phetchaburi, wurde jedoch schon ein Jahr später, am 21. Oktober 1958, zusammen mit zahlreichen anderen Intellektuellen, als angeblicher Kommunist verhaftet. Grund waren seine anti-nationalistischen und sozial fortschrittlichen Schriften, vor allem das 1957 erschienene โฉมหน้าศักดินาไทย, Chomna Sakdina Thai, was man in etwa als Gesicht der Elite Thailands (Chomna = Gesicht, Sakdina = Elite, Würde) übesetzen könnte. Als englische Titel werden The Face of Thai Feudalism oder The real Face of Thai Feudalism angegeben. Das Buch wurde jedoch nie vollständig in eine westliche Sprache übersetzt.
Dieses sicher antifeudalistische Werk, das er unter dem Pseudonym สมสมัย ศรีศูทรพรรณ Somsamai Sisuttharaphan schrieb, sah die ebenso korrupte wie scharf anti-kommunistische US-freundliche Regierung Sarit Thanarat, unter der das Königshaus gerade wieder die Kontrolle über das 1932 eigentlich verstaatlichte riesige Familienvermögen erlangte, während Sarit zum vielfachen Dollar-Multimillionär mit riesigem Immobilienbesitz und fünfzig (50) legal angetrauten Ehefrauen aufstieg, als eine Bedrohung an.
Chit mußte über sechs Jahre im Gefängnis verbringen, bevor er wegen erwiesener Unschuld freigesprochen wurde. Im Dezember 1964 kam er auf freien Fuß, wurde aber weiter überwacht und bedroht.
.
.
.
.
Am 5. Mai 1966 wurde er nach der offiziellen Version von "Dorfbewohnern" in der Nähe des Dorfes Nong Kung im Bezirk Waritchaphum erschossen und beseitigt. In Wirklichkeit handelte es sich bei den Mördern um eine vom örtlichen Bürgermeister abgestellte paramilitärisch-patriotische Schlägerbande sowie Soldaten.
Erst 1989 wurden seine sterblichen Überreste wieder ausgegraben und nach einer buddhistischen Zeremonie in eine Stupa auf dem Gelände des nahegelegenen วัด ประสิทธิ์สังวร Wat Prasit Sangwon eingemauert. Auf dem Tempel befindet sich heute eine Gedenkstätte.
.
.
.
Zur Erinnerung an Chit Phumisak
Forumsregeln
Bitte unbedingt vor einer Registrierung/Anmeldung lesen.
Bitte unbedingt vor einer Registrierung/Anmeldung lesen.
-
hippo
Topic author - † RIP - Immer bei uns
- Beiträge: 5284
- Registriert: 03.06.2010 13:41
- Wohnort: Berlin - Tempelhof
- Hat sich bedankt: 301 Mal
- Danksagung erhalten: 1245 Mal
Zur Erinnerung an Chit Phumisak
Also ich kannte diesen Namen bisher nicht, aber er ist durchaus Erinnerungswürdig.
I'm not crazy. My reality is just different from yours.