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Leben in Bangkok

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Khun Han
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Re: Leben in Bangkok

#441

Beitrag von Khun Han » 26.02.2018 10:11

Man sagt, wer eine Thailänderin heiratet, heiratet auch ihre Familie mit. Das mag zumindest im Bezug auf die Fürsorge für die Eltern und den Respekt ihnen und den älteren Familienmitgliedern gegenüber gelten. Sonst scheint mir der Zusammenhalt nicht besonders groß zu sein. (Ist vielleicht bei chinesisch-stämmigen anders). Irgendeiner will stets den Ton angeben. In unserem Fall ist es die in Deutschland lebende Schwester, die die Familie spaltet. Mit Geld und Intrigen versucht sie ihre Geschwister gegeneinander anzustacheln. So waren Spannungen bei der Beerdigung zu erwarten, zu der sie ja auch anreiste.

Die vier Brüder leben verstreut in Bangkok. Alle sind verheiratet und haben mindestens zwei Kinder und auch Enkelkinder. Num, den ältesten, trafen wir nach vielen Jahren erst bei der Beerdigung wieder, wo er zusammen mit einem Enkel in Mönchsgewändern auftrat. Go, einer seiner Söhne, den ich zuletzt vor 40 Jahren sah, ihn aber sofort als den Kleinen mit dem Haarschopf wieder erkannte (auf dem Bild oben vorne in der Mitte), hat sich bestens um mich/uns und um den Ablauf der Zeremonien bemüht. Bruder Gai, der Clown der Familie, also ein wenig dingdong, seines Zeichens Müllsammler, und Da sind von der Schwester gekauft. Da arbeitete lange als Berufsschullehrer fürs Haareschneiden in Sisaket. Nach dem Tode seiner Frau zog er zu seiner Jugendliebe zurück nach Bangkok. Die Beiden besuchten uns häufig unangemeldet und zeigten sich sehr freundlich. Seit wir seiner Bitte, ihm 20 000 Baht zu leihen, nicht nachgekommen sind, haben sie sich nicht mehr gemeldet. Leihen heißt in Thailand schenken. Das haben wir schon ein paar mal erfahren. Bei der Beerdigung steckte er die Umschläge für sich ein, obwohl meine Frau und die Schwester für die Unkosten aufkamen.

Engen und guten Kontakt haben wir zum Ärger der Schwester nur zu Do, der in der Nähe wohnt und uns mit seinem Songthaeo manchmal zur Verfügung steht. Er kommt nie unangemeldet und duckt sich aus Respekt, wenn er an mir vorbei geht, auf seinem Weg zum Kühlschrank. Überhaupt werde ich von allen in der ganzen Familie mit Respekt und Nachsicht behandelt. Sowohl die Entfernungen und die Sprachbarrieren als auch meine Frau bewahren mich vor engerem Kontakt. So hielt sie es für besser, dass ich nur zur Einäscherung selbst mitkam und nicht zu den Gebetsabenden vorher.

Beerdigungen sind die Gelegenheit, bei der alle Verwandten zusammen kommen. Ich kann mich zwar ein wenig unterhalten und habe keine Hemmungen, aber ich halte mich auch gerne im Hintergrund. Manchmal habe ich Schwierigkeiten, die Gesichter einzuordnen. Meine Frau redet scheinbar ungezwungen mit allen, auch wenn es zuvor mal Spannungen gegeben hat. Sie zeigt nie, dass sie jemand etwas nachträgt. Bis auf einen kleinen Eklat, als die Schwester weinend ausrief, Do und meine Frau hätten ihr das Haus gestohlen, verlief die Zeremonie dann zwar angespannt, aber reibungslos. Das Haus ist eine baufällige Bretterbude auf einem gepachteten Grundstück, in dem früher die Mutter lebte und jetzt Do mit seiner Familie haust. Der von uns ausgesuchte Ehemann der Schwester ist übrigens schon vor uns nach Chiang Mai ausgewandert, während sie bei ihren Lovern in Deutschland blieb. Leider verstarb er plötzlich an einer geplatzten Bauchaorta.
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Khun Han
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Re: Leben in Bangkok

#442

Beitrag von Khun Han » 26.02.2018 11:41

Die Beerdigung fand in Bangsue statt, in dem Wat, das der Soi, in der der Vater und früher die Familie lebte, am nächsten ist und wo auch meine Frau zur Schule ging, bis sie nach 5 Jahren selbst kündigte, wie sie sagt. Jeden Morgen ist dort Markt, es stinkt dann und es bleibt eine Menge Unrat übrig. Ich will eine grobe Beschreibung über den Ablauf geben.

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An drei Abenden vor der eigentlichen Verbrennung wurde mit den Mönchen gebetet, ihnen wurden Umschläge und Blumen überreicht und die Anwesenden wurden mit Getränken und Snacks versorgt. Für die Kosten der Aufbewahrung und Konservierung des Leichnams, für Sarg, Beleuchtung und Blumenschmuck und die Verköstigung kam meine Frau, also ich auf. Aber danach auch die kleine Schwester aus Deutschland, die sich im Umschläge verteilen an die Mönche besonders hervortat. Am Tag nach der Verbrennung konnten die Kochen abgeholt werden. Sie wurden dem Chao Phraya übergeben.

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Fürs Kochen zuständig waren alle Schwägerinnen, wobei festgelegt wurde, was denn der Vater gerne aß. Alle halfen zusammen beim Einkaufen, Zubereiten, Auftragen und Abwaschen. Die ganze Verwandtschaft kam zusammen, die Tante mit ihren beiden Söhnen und der angenommenen Schwester, die mit ihrem Ex-Mann und dem neuen Lebensgefährten erschien, und viele Andere. Alle außer Gai. Ich hatte erlebt, dass er seinem Vater einen Fußtritt geben wollte, als dieser vor Jahren am Stock gehend an einer Gedächtnisfeier im Wat für die Mutter teilnahm. Nachbarn berichteten aber, dass er auch ohne Stock gut zu Fuß war. Mir erzählte er damals, dass er fast hundert Jahre alt sei.
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Es erschienen aber ebenso viele Gutgekleidete und Uniformierte, Arbeitskollegen von Da. Nach der Mittagspause – vormittags wurde gebetet, die Mönche gespeist, alle Anwesenden mit dem übrig gebliebenen Essen versorgt und abgewaschen – wurde der Sarg zum Krematorium hoch getragen. Ein Mann mit Mikrofon sprach den Nachruf und rief ein paar angesehene Trauernde mit Namen auf, Mönchsroben vor den Sarg zu legen, wo sie mit Gebet von den Mönchen in Empfang genommen wurden. Auch mir wurde diese Ehre zu teil. Aber die Schwester lies gleichfalls keine Ruhe, bis sie auf der Liste stand. Dann legten alle weiße Papierblumen vor den Sarg und verabschiedeten sich mit einem Wai vom Toten oder klopften an den Sarg. Danach zerstreuten sich die meisten. Der Sarg wurde geöffnet und der Saft einer Kokosnuss über der Leiche ausgeschüttet. Ohne Deckel, mit all den Papierblumen wurde der Sarg in den Ofen geschoben.

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Re: Leben in Bangkok

#443

Beitrag von Khun Han » 27.02.2018 07:50

Am Morgen des nächsten Tages. Das bleibt vom Menschen übrig: ein Häufchen Asche und Knochen. Ein Mönch hatte daraus einen kleinen Körper geformt und den Rest in ein Stoffbündel getan. Wir gossen noch etwas parfümiertes Wasser darüber. Wir, das waren meine Gattin und ich, die Schwester aus Deutschland, Da und seine Frau, die Lebensgefährtin des Vaters und die drogenabhängige Tochter Nums, die uns beistehen sollte, falls es zu Handgreiflichkeiten kommt. Der Abt und zwei weitere Mönche sprachen Gebete und wir konnten die Überreste in einem Karton mitnehmen.

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Die Schwester verteilte noch Umschläge an die Mönche und zahlte für zukünftige Gedenkgebete. Sie hatte auch durchgesetzt, dass es kein Grab geben sollte. Wer den Vater nicht zu Lebzeiten besucht hat, brauche auch nicht zu seiner Grabstätte pilgern. So ging es mit zwei Taxis zu einem Wat in Pak Kret, das Wasserbestattungen durchführt. Ein Mönch fuhr mit uns auf einem gemieteten Boot in die Mitte des Chao Phraya und lies nach ein paar Zeremonien das Bündel ins Wasser.

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Noch Tamboon im Wat und ein gemeinsames Mahl. Dann ging jeder seiner Wege. D.h. die Schwester und wir fuhren ein ganzes Stück gemeinsam im Taxi und Da brachte die Witwe nach hause und hat dort sicher gleich abgeräumt, was er konnte.

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